Wolle ≠ Wolle

Sockenwolle mulesingfrei

Wolle auswählen – nicht jede Wolle ist gleich

Wolle ist ein natürlicher Rohstoff – und trotzdem ist Wolle nicht gleich Wolle. Herkunft, Tierhaltung, Verarbeitung und die Eigenschaften des fertigen Garns können sich unterscheiden.

Daher lohnt sich ein genauerer Blick: Woher stammt die Faser? Welche Informationen gibt es über die Haltung der Tiere? Wo wurde die Wolle gewaschen, gefärbt und versponnen? Und gibt es eine Zertifizierung, die bestimmte Anforderungen an die Herstellung stellt?

Hinweis: Die folgenden Beispiele beziehen sich vor allem auf Schafwolle. Viele der Fragen rund um Herkunft, Verarbeitung, Färbung und Zertifizierung stellen sich aber ebenso bei pflanzlichen Fasern wie Baumwolle, Leinen oder Hanf.

Herkunft und Transport

Die Wolle als Rohstoff kann aus ganz unterschiedlichen Regionen stammen. Auch die weiteren Verarbeitungsschritte können an anderen Orten stattfinden: Die Faser wird beispielsweise gewaschen, gefärbt und versponnen, bevor daraus ein fertiges Garn entsteht.

Bei Wolle aus Deutschland oder Europa können die Transportwege einzelner Produktionsschritte kürzer sein. Das lässt sich allerdings nicht allein aus dem Herkunftsland der Wolle ableiten. Deshalb lohnt sich ein Blick darauf, wo die Faser weiterverarbeitet wurde.

Wenn die Herkunft und die einzelnen Produktionsschritte nachvollziehbar sind, lässt sich besser einschätzen, welchen Weg eine Faser bis zum fertigen Garn zurückgelegt hat.

Tierwohl

Bei tierischen Fasern spielt neben der Herkunft auch die Haltung der Tiere eine Rolle. Bei Schafwolle wird beispielsweise immer wieder über das sogenannte Mulesing gesprochen. Dabei handelt es sich um einen Eingriff an Schafen, der insbesondere in der Merinowollproduktion in manchen Ländern eingesetzt wird und aus Tierschutzsicht kritisch zu betrachten ist.

Ein möglicher Anhaltspunkt bei der Auswahl kann deshalb zum Beispiel die Herkunft der Wolle sein. In der EU und einigen anderen Ländern ist Mulesing beispielsweise verboten. Auch eine Zertifizierung, die konkrete Anforderungen an das Tierwohl stellt, kann hilfreich für eine Einschätzung sein. Eine Übersicht über verschiedene Siegel findest du weiter unten.

Verarbeitung und Färbung

Auch die Verarbeitung einer Faser ist ein wichtiger Teil ihrer Herstellung. Je nach Faser und Garn können dabei unterschiedliche Arbeitsschritte notwendig sein. Bei der Textilverarbeitung können beispielsweise Wasser, Energie und verschiedene chemische Hilfsmittel eingesetzt werden. Die Veredelung kann unter anderem Waschen, Bleichen, Färben oder weitere Ausrüstungsschritte (z.B. Superwash) umfassen.

Das gilt nicht nur für Schafwolle: Auch pflanzliche Fasern wie Baumwolle, Leinen oder Hanf durchlaufen verschiedene Verarbeitungsschritte, bevor daraus ein fertiges Garn entsteht.

Zertifizierungen wie GOTS stellen deshalb nicht nur Anforderungen an die verwendeten Fasern, sondern auch an verschiedene Stufen der Verarbeitung und Herstellung.

Welche Siegel und Standards gibt es?

Jedes Prüfsiegel setzt unterschiedliche Schwerpunkte:

GOTS

Der Global Organic Textile Standard (GOTS) ist ein umfangreicher Standard für Textilien aus zertifizierten Bio-Naturfasern. Er umfasst Anforderungen an verschiedene Stufen der Produktfertigung, welche regelmäßig überprüft werden:

  • 1. Das Material: Anforderungen an Materialherkunft und Zusammensetzung
  • 2. Die Lieferkette: Lückenlose Dokumentation der Lieferkette für Rückverfolgbarkeit einzelner Herstellungsschritte
  • 3. Inhaltsstoffe: Regelung, welche Stoffe (z.B. Färbemittel) erlaubt sind und welche nicht.
  • 4. Umwelt: Regelungen bezüglich Umgang mit Abwasser, Energieverbrauch, Emissionen und Ressourcenverbrauch
  • 5. Soziales: Einhaltung internationaler Standards für Arbeits- und Menschenrechte (Gesundheit, Sicherheit, Arbeitsbedingungen…)
  • 6. Kennzeichnung: Regeln zur Verwendung von Zertifikaten und Logos

RWS/ RMS

Der Responsible Wool Standard (RWS) ist ein freiwilliger Standard für Schafwolle. Er stellt unter anderem Anforderungen an das Wohlergehen der Schafe, das Landmanagement und die Rückverfolgbarkeit der zertifizierten Wolle. Die beteiligten Betriebe werden von unabhängigen Zertifizierungsstellen kontrolliert. Dadurch soll nachvollziehbar bleiben, welchen Weg die zertifizierte Wolle durch die Lieferkette nimmt.

Der Responsible Mohair Standard (RMS) ist auf Mohair von Angoraziegen ausgerichtet. Auch hier stehen unter anderem Tierwohl, Landmanagement und die Rückverfolgbarkeit der Faser im Mittelpunkt. Wie beim RWS werden die Anforderungen durch unabhängige Zertifizierungsstellen überprüft.

Ein Zertifikat ist dabei keine allgemeine Bewertung eines Garns. Es zeigt vielmehr, dass für das jeweilige zertifizierte Produkt beziehungsweise die zertifizierte Lieferkette die Anforderungen des entsprechenden Standards gelten.

Ist Wolle ohne Siegel schlechter?

Nein. Das Fehlen einer Zertifizierung sagt zunächst nichts darüber aus, wie hochwertig ein Garn ist oder unter welchen Bedingungen es hergestellt wurde.

Eine Zertifizierung kann zusätzliche Informationen geben und bestimmte Anforderungen überprüfbar machen. Gleichzeitig gibt es auch kleinere Produzenten oder Lieferketten, bei denen eine Zertifizierung nicht vorhanden ist – beispielsweise weil der damit verbundene Aufwand für den Betrieb nicht sinnvoll oder wirtschaftlich umsetzbar ist, da eine Zertifizierung auch teuer ist. Auch bei nicht zertifizierten Garnen kann es sich deshalb lohnen, nach Herkunft, Verarbeitung und den verfügbaren Informationen zu fragen.

Worauf achte ich bei Yuniku?

Bei der Auswahl meiner Garne und Spinnfasern schaue ich auf verschiedene Aspekte: Auf die verwendeten Fasern, ihre Herkunft, die Verarbeitung und die Qualität.

Nicht jedes Garn erfüllt dabei dieselben Kriterien. Bei einem großen Teil meines Sortiments findest du GOTS zertifizierte Qualitäten oder auch Wolle aus Deutschland von Betrieben, deren Unterstützung mir wichtig ist.

Natürliche Materialien stehen bei Yuniku im Mittelpunkt. Eine Ausnahme bilden manche Sockengarne mit einem Anteil synthetischer Fasern – bei denen dieses unter anderem zur Verbesserung der Strapazierfähigkeit eingesetzt werden können.

Mir ist wichtig, die verfügbaren Informationen möglichst transparent weiterzugeben. So findest du die entsprechenden Informationen in der jeweiligen Produktbeschreibung.

Quellen

Die Informationen zu GOTS, RWS und RMS wurden anhand der Veröffentlichungen der jeweiligen Standardorganisationen zusammengestellt.
Weitere Informationen zu textilen Fasern, Verarbeitung und Herstellung:

Die Standards und fachlichen Informationen können sich im Laufe der Zeit ändern.